«Ich habe kein Problem, Hilfe anzunehmen»
Das sagt Matthias Spitz über seinen Alltag als pflegender Angehöriger. Seine Geschichte zeigt, wie herausfordernd, aber auch sinnstiftend diese Aufgabe sein kann.
Matthias Spitz ist seit Mai 2025 als pflegender Angehöriger bei Caritas angestellt. Er betreut seine 90‑jährige Mutter Hedi Spitz, die an Demenz erkrankt ist, rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr.
Ein plötzlicher Wandel und eine klare Entscheidung
Der Einstieg in die neue Rolle ergab sich für Matthias Spitz zur richtigen Zeit. Ein berufliches Projekt war abgeschlossen, und er hatte Kapazität, sich einer neuen Aufgabe zu widmen. Gleichzeitig häuften sich die Anzeichen, dass sich der Zustand seiner Mutter veränderte.
Ein ungewohntes Telefonat am Abend statt wie üblich am Morgen wurde zum Auslöser für weitere Abklärungen. In der Memory Clinic Luzern erhielt die Familie schliesslich die Diagnose: Demenz.
Für seine Mutter stand schnell fest, dass sie in ihrem Zuhause bleiben möchte. Sie lebt seit 1974 im selben Haus, das ihr vertraut ist. Die Vorstellung eines Heims verunsichert sie. Ein entscheidender Punkt ist auch die Betreuungssituation: Zu Hause erhält sie eine 1 zu 1 Betreuung, im Heim wäre dies nicht möglich.
Alternativen wie Betreuungspersonal aus dem Ausland prüfte Matthias Spitz, entschied sich aber dagegen. «Meine Mutter ist sehr kommunikativ. Es war mir wichtig, dass sie sich verständigen kann und sich wohlfühlt.»
So traf er eine klare Entscheidung und übernahm die Pflege selbst.
Struktur gibt Halt
Der Alltag von Matthias Spitz und seiner Mutter ist klar geregelt, und genau das macht ihn stabil.
Jeder Tag beginnt um 8 Uhr mit Aufstehen und Körperpflege. Um 9 Uhr frühstücken sie gemeinsam, danach folgt die Medikamenteneinnahme. Um 10 Uhr gehen sie täglich nach draussen, unabhängig vom Wetter.
Bewegung gehört fest dazu, sei es ein Spaziergang im Quartier oder eine Runde durch das nahegelegene Einkaufszentrum an Regentagen.
Diese Struktur ist entscheidend.
«Viele unterschätzen, wie wichtig Konstanz in der Pflege ist.»
Mehr als Pflege: Lebensqualität erhalten
Für Hedi Spitz bedeutet die Betreuung durch ihren Sohn vor allem Sicherheit und Lebensqualität. Sie kann weiterhin in ihrem Zuhause leben und profitiert von der persönlichen Begleitung.
Die 1 zu 1 Betreuung zeigt Wirkung. Matthias Spitz ist überzeugt, dass seine Mutter dadurch Fortschritte gemacht hat.
Gemeinsame Erlebnisse sind ihnen wichtig: Restaurantbesuche, Theater oder Konzerte. Wenn es Hedi Spitz einmal schlechter geht, greifen sie zu einfachen Mitteln. Gemeinsam lachen hilft. Besonders bei der britischen Serie „Keeping Up Appearances“, die sie dann gerne zusammen anschauen.
«Es ist anstrengend, aber zutiefst sinnvoll»
Was andere als Belastung empfinden, sieht Matthias Spitz vor allem als sinnstiftende Aufgabe.
«Ich spüre die Belastung nicht. Für mich ist es einfach meine Arbeit.» Er weiss jedoch, dass er mit dieser Haltung eher eine Ausnahme ist.
Seine Erfahrung aus der Hotellerie hilft ihm, den Alltag zu organisieren. Er war stets aktiv und für andere da. Gleichzeitig hat sich sein Leben verändert. Für Freundschaften bleibt weniger Zeit, die Flexibilität ist eingeschränkter.
Was ihn überrascht hat: die grosse Wertschätzung aus seinem Umfeld. Wenn er erzählt, dass er seine Mutter pflegt, begegnen ihm viele Menschen mit Anerkennung und sogar Ehrfurcht. Die Aufgabe hat in der Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Für ihn zeigt das, dass es nicht selbstverständlich ist, was pflegende Angehörige leisten.
Unterstützung annehmen und davon profitieren
Ein wichtiger Bestandteil seines Alltags ist die Unterstützung durch Caritas. Die regelmässigen Besuche der Pflegefachperson empfindet er als sehr wertvoll.
«Nachhaltig, respektvoll und achtsam.»
Zusätzlich besucht er den Lehrgang «Pflegende Angehörige SRK», den Caritas gemeinsam mit dem SRK durchführt. Der Lehrgang vermittelt praktisches Wissen für den Pflegealltag und unterstützt die Teilnehmenden in ihrer individuellen Pflegesituation. Die Kosten übernimmt Caritas. Besonders schätzt Matthias Spitz den Austausch mit anderen pflegenden Angehörigen.
Auch die Spitex unterstützt einmal pro Woche beim Duschen und bei der Medikamentenaufbereitung. Entlastung erhält er zudem an zwei Tagen pro Woche: Am Dienstag übernimmt der langjährige Gärtner der Familie die Betreuung gegen Bezahlung. Am Sonntag springt sein Bruder ein. Dieser übernimmt die Betreuung zudem während ein bis zwei Wochen pro Jahr, wenn Matthias Spitz Ferien macht.
«Ich habe kein Problem, Hilfe anzunehmen.»
Ermutigung für andere
Matthias Spitz empfiehlt, sich gut auf die Aufgabe vorzubereiten und vorher die eigene Belastbarkeit einzuschätzen. Wenn die Voraussetzungen stimmen, lohnt sich der Schritt.
Seine wichtigste Botschaft: Pflege ist anspruchsvoll, aber auch eine sehr erfüllende Aufgabe.
Dankbarkeit, die bleibt
Am Ende ist es die Beziehung zwischen Mutter und Sohn, die trägt. Hedi Spitz sagt ihrem Sohn oft, wie froh sie ist, dass er diese Aufgabe übernimmt.
Eine einfache, aber bedeutungsvolle Aussage, die zeigt, wie wichtig die Betreuung und Pflege durch Angehörige ist.
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So unterstützen wir pflegende Angehörige
Caritas
Caritas Schweiz stellt pflegende Angehörige zu einem Stundenlohn von 35 Franken an und zahlt in die Sozialversicherungen ein. Voraussetzung für die Anstellung und Entschädigung sind, dass Tätigkeiten der Grundpflege geleistet werden. Zudem werden die pflegenden Angehörigen sowie die Klientinnen und Klienten durch eine diplomierte Pflegefachperson fachlich und persönlich unterstützt.
Schweizerisches Rotes Kreuz Kanton Luzern
Um das Wissen und die Befähigung der pflegenden Angehörigen zu erhalten und zu fördern, bietet das Schweizerische Rote Kreuz Kanton Luzern (SRK) ein breites Bildungsangebot zur Kompetenzerweiterung. Dabei geht das SRK auf die individuellen Bedürfnisse der pflegenden Angehörigen ein. Zudem bietet das SRK verschiedene Entlastungsangebote, Beratungen zu Hause, den Rotkreuz-Fahrdienst sowie den Rotkreuz-Notruf.
Alzheimer Luzern
Alzheimer Luzern unterstützt pflegende und betreuende Angehörige von demenzerkrankten Personen mit Information, Beratung und Begleitung. Schulungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten, Café TrotzDem-Treffpunkte mit Fachbegleitung sowie Gesprächsgruppen für Angehörige, Betroffene und Jugendliche bieten Austausch und Entlastung. Über die Infostelle Demenz erhalten Betroffene und Angehörige zudem umfassende Informationen und persönliche Beratung.
Pro Senectute
Die Pro Senectute unterstützt die Bezugspersonen mit Coaching. Dadurch werden den pflegenden Angehörigen ihre Belastungssituationen sowie Grenzen bewusst, um Konflikte und Überlastungen zu vermeiden. Das ermöglicht optimale Lösungen für die Bezugspersonen sowie die zu betreuende Person. Weiter werden Alltagshilfen, Treuhand- sowie Mahlzeitendienste angeboten, um alle Beteiligten zu entlasten.
Spitex Kantonalverband Luzern
Um die pflegenden Angehörigen in ihrer wichtigen Arbeit zu unterstützen, bietet die Spitex Kantonalverband Luzern pflegerische und hauswirtschaftliche Leistungen. Dazu gehört zum Beispiel Abklärungen sowie Beratungen in Gesundheitsfragen und Prävention, aber auch Krankenpflege und Haushilfe.
CURAVIVA Luzern
CURAVIVA Luzern ist der Branchenverband der Luzerner Alters- und Pflegeheime mit rund 70 Pflegeinstitutionen. Er unterstützt Fachpersonen in der Langzeitpflege durch Information, Qualitätssicherung sowie Aus- und Weiterbildung. Zudem vertritt Curaviva die politischen Interessen der Langzeitpflege im Kanton Luzern und arbeitet eng mit anderen Kantonen und nationalen Verbänden zusammen. Für Angehörige und Betroffene dient Curaviva Luzern als Anlaufstelle und bietet beratende Unterstützung in Fragen rund um Pflege und Betreuung.